Heimat

Heimat

Ich bin auf Heimaturlaub, nein noch nicht am Schiff in der Hängematte, wirklich und direkt zu Hause. (Hundesitting für eine Woche).

„Großer Baum“

Hier bin ich vor 20ig Jahren schon gesessen, hab mir versucht das Rauchen beizubringen, genau dort draußen stand ich am Tag meiner Firmung am Gerüst und hab am Nachmittag in keinem schicken Restaurant gesessen, doch aber mit meinem Papa die Fenster eingebaut.

Später es dort geöffnet, als der erste Freund mitten in der Nacht mit Blumen auf der Leiter stand. Oder die Schwester rausgeklopft weil der geglaubt vergessene Schlüssel nicht zu finden war (er war im Rucksack – sorry nochmal Sister :D).

Hier bekam ich meinen ersten Heiratsantrag … hier feierte ich meine Geburtstage. Genau auf dieser Fensterbank entwickelte ich meine Leidenschaft für die Fotografie fürs Schreiben, Malen und für die Sonnenuntergänge :D, drehte das Zahnrad und machte meine ersten Bilder… manchmal warte ich am Fenster bis der erste Stern am Himmel zu sehen war. Hier zog mir meine Mama mit meiner Schwester und meiner Cousine mein Brautkleid an. Es war manchmal echt richtig laut, es wurde gestritten und wieder vertragen alles umgebaut und zum Schluss wieder gleich hingestellt. Manchmal eine Leitung angebohrt und am Dachboden nach schätzten gewühlt. Hier war ich Kind und wurde erwachsen.

Es war so eine schöne Zeit. Inzwischen ist es im Haus leiser und in der Umgebung lauter geworden, die große Wiese gibts nicht mehr, in der wir noch Eidechsen gefangen haben und ein Lager bauten. Leider wird auch bald der große Baum gefällt, was mich am meisten trifft. Seit mein Papa es weiß hängt in der Küche die Jalousie auf Halbmast und die Sicht ist versperrt. (Ich glaub unbewusst gewöhnt er sich schon daran).

Als ich mit 21 Jahren auszog, verließ das erste Vögelchen ihr Nest. Der eine Nachbar baute mir die Küche auf, der Andere fuhr mit dem Anhänger, der Dritte machte meinen Rasen und am Abend kamen alle vorbei, um mich zu verabschieden. Danach war es nie mehr wie vorher, bis heute. Der Nachbar rechts ginst und freut sich über beide Ohren als er uns gesehen hat, quatscht mit meinen Kindern. Als ich meine Kinder geboren hab, stand ein 3 Meter hoher Storch im Garten. Die Nachbarin direkt neben uns, wünscht meinem Mäuschen eine gute Nacht und gibt ihr die ersten Erdbeeren aus dem Garten. Der Nachbar links kommt vorbei und fragt, ob er das Gartengießen übernehmen soll, dass es in der Früh am besten sei, dann kommen keine Schnecken.

Ja, hier werden Türen ins Zaungeflecht gehängt, anstatt Hecken gesetzt.

Es ist jeder willkommen. Während sich meine Zehen in den Fensterrahmen bohren (bin schon etwas aus der Übung mit Fensterbank sitzen) winkt dann auch noch die Nachbarin von gegenüber hoch. Ja, ehrlich schön nach Hause zu kommen.

Genau DAS wünsche ich meinen Kindern auch, ein “zu Hause” in dem sie “nach Hause” kommen können. Ein Haus in dem die Stiege knartscht und die Wände Geschichte erzählen, in denen das Loch vom ehemaligen Nagel, der Tapfer 18 Jahre das Türschild trotz Pubertät (Türknallen) gehalten hat.

Also wenn ich der Marina vor 20ig Jahren erzählen könnte, dass sie in der Zukunft mal mit ihrer Tochter in ihrem dann ehemaligen Kinderzimmer gemeinsam einschlafen wird, während ihr Mann gerade in der Einfahrt einparkt und anschließend in der Küche ihrer Eltern kocht…sie würde es nicht glauben.

Ich hoffe … auch wir finden bald unser zu Hause und ich kann endlich ganz ausziehen 🙂 und „zu Hause“ einziehen.

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